Wie ich fast mal Vorband war

Kalles verhinderte Rockstar-Karriere, Teil der Wahrheit: der Abend, an dem er beinahe als Vorband auf einer großen Bühne stand. Beinahe.

  • Verhinderte Rockstar-Karriere
Im Tourbus: Kalle sitzt am Steuer und zeigt den Daumen hoch, vorne ein offenes Tourtagebuch und eine Laterne, rechts Fernseher, Spielkonsole, Gitarre und die Bustür. Durch die Frontscheibe sieht man das Festival.

Es war 1989. Oder 1993. Vielleicht auch 1987, aber da hatte ich noch keinen Zylinder, also eher nicht.

Jedenfalls ruft mich ein Typ an. Sagt, er ist Tourmanager. Sagt, die Vorband ist ausgefallen. Sagt, ob ich in zwei Stunden mit meiner Band auf der Bühne stehen kann.

Ich sage: „Klar.“

Ich hatte keine Band.

Plan B: eine Band finden

Ich hab mir also in zwei Stunden eine Band zusammengesucht. Am Schlagzeug: mein Nachbar, der hatte mal einen Kochtopf-Kurs gemacht. Am Bass: ein Typ aus der Kneipe, der behauptete, er hätte „im Prinzip“ schon mal einen Bass gesehen. An der Gitarre: ich. Gesang: auch ich. Kostüme: Müllsäcke.

Wir nannten uns „Die Pleitegeier“. Fand ich damals stark. Find ich heute noch stark.

Der große Moment

Wir kommen zur Halle. Wir laden aus. Wir stehen hinter der Bühne. Ich höre das Publikum. Ich höre meinen Herzschlag. Ich höre den Tourmanager sagen:

„Wer seid ihr denn?“

Es stellte sich raus: Falsche Halle. Falsche Stadt. Falscher Tourmanager. Der Anruf war für einen anderen Kalle.

Rockstar. Pleite. Unbekannt. Zwei von drei hab ich an dem Abend geschafft.

Den Bus von damals hab ich übrigens behalten. Er steht jetzt im ROCKolymp. Er fährt nicht. Aber er erinnert mich jeden Tag daran, dass ich fast mal Vorband war.